Das Kriegstagebuch des Alfred H. Fried

Das Kriegstagebuch

Ab Kriegsbeginn verfasste Alfred H. Fried sein "Kriegstagebuch", das zeigt, dass der "Rationale Pazifist", der den emotionalen Pazifismus häufig beklagte, mit Verstand und immensem Wissen die internationalen Ereignisse von 1914 bis 1919 kontinuierlich verfolgte. B. Tuider, der eine der wenigen fundierten Arbeiten über die Kriegstagebücher schrieb, war fasziniert von deren Kraft. 1600 Seiten zum Weltkrieg von einem Mann, der als Journalist bei der NZZ in der neutralen Schweiz täglich bis zu 50 internationale Zeitungen durcharbeitete. Die Kriegstagebücher sind in ihrer Qualität wohl einzigartig und können zum Erbe der Weltkultur des Friedens gezählt werden.

Alfred H. Fried Kriegstagebuch, © Dorothea Erharter

Die Kriegstagebücher sind der einzige kontinuierliche Kommentar eines Österreichers zum 1. Weltkrieg aus pazifistischer Sicht!

Sie waren in Österreich und Deutschland natürlich von der Militärzensur verboten und konnten erst ab 1918 wieder legal in Sammelbänden in Österreich und Deutschland erscheinen. Alfred Hermann Fried, Mein Kriegstagebuch wurde 1918 (Bd. 1) und 1919 (Bd. 2 – 4) vom Verlag M. Rascher herausgegeben und umfasst insgesamt zirka 1600 Seiten.

  • Band 1: 7. August 1914 bis 28. Juli 1915
  • Band 2: 1. August 1915 bis 28. Juli 1916
  • Band 3: 1. August 1916 bis 28. Juli 1917
  • Band 4: 1. August 1917 bis 30. Juni 1919

Frieds Kriegstagebuch wurde seit 1920 nicht mehr vollständig neu aufgelegt. Eine Auswahl wurde 2004 von Gisela und Dieter Riesenberger und Adolf Gasser herausgegeben. Es ist vergriffen.

Nur sehr wenige Exemplare sind verfügbar. In Wien gibt es ein vollständiges (aber nicht entlehnbares) Exemplar in der Wien-Bibliothek und unvollständige Exemplare in der Nationalbibliothek und in der Studienbibliothek der Arbeiterkammer. Bände in der Universität Klagenfurt und Salzburg sind entweder unvollständig oder nicht entlehnbar.

Relevanz 2014

Historische Dimension

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich eine hohe Relevanz des Projekts für das kulturelle und politische Gedächtnis Österreichs:

  • Das Projekt ist ein Beitrag zur Kultur des Friedens im Sinne der UNESCO.
  • Die Errichtung eines weltweit auf Knopfdruck lesbaren Werkes des bislang einzigen in Wien geborenen und verstorbenen Friedensnobelpreisträgers ist ein virtuelles Denkmal von außergewöhnlicher Wirkung.
  • Es ist geistige Restitution an einem der ersten Opfer Rechtsextremer Vernichtungspolitik.

Fried war Jude, Freimaurer und Pazifist. Absurderweise sind seine Werke in der Schweiz, in Norwegen und den USA vollständiger und leichter zugänglich als in Österreich. Die Bücherschäden durch die Nazis sind nur aufwendig rückgängig zu machen.

Aktuelle Dimension

Auch 2014 ist die UNO-Stadt Wien eine wichtige Metropole, in der um den Weltfrieden gerungen wird. Nach dem Anschlag auf ein ziviles Flugzeug in der Ukraine, den Kriegshandlungen zwischen Isarael und Palestina, der Situation im Irak/Afghanistan ist die internationale Lage gespannt wie schon lange nicht mehr.

Die Julikrise 2014 macht die Julikrise 1914 und ihre Folgen daher besonders aktuell und lehrreich. Bei allen Fortschritten der internationalen Organisation zeigen Frieds Kriegstagebücher, wie gefährlich es ist, wenn Militär und Politik die Fortsetzung der Politik mit Waffengewalt unter Kontrolle zu haben glauben.

Frieds Leitsatz "Organisiert die Welt" ist heute aktueller denn je!